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Auf den Spuren des Narrenbergs

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Die Geschichte von Schloss Arenenberg reicht weit in die Vergangenheit zurück. Archäologische Streufunde führen bis in die Spätantike. Am Ende des 14. Jahrhunderts lässt sich ein Gut namens Narrenberg nachweisen. Es umfasst neben dem eigentlichen Haupthaus Bauernhöfe, einen Bach, Rebflächen, Felder, Wiesen etc. Wo aber lag dieser Narrenberg und was wurde angebaut?

Bisher war man immer davon ausgegangen, dass der Narrenberg am gleichen Platz wie der heutige Arenenberg stand. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts trug nämlich das „neue“ Schloss immer noch die Bezeichnung Narrenberg. Dass es sich bei dem heutigen Schloss tatsächlich um einen „Neubau“ aus der Zeit um 1530 handelt, lässt sich anhand einer Bauuntersuchung und von Schriftquellen nachweisen. Stand der Vorgängerbau wirklich an der gleichen Stelle? Angeblich sei er während des Schweizer- bzw. Schwabendkrieges 1499 zerstört worden. Bei archäologischen Untersuchungen fanden sich aber weder Spuren von Kampfhandlungen noch von älteren Gebäuden. Das Rätsel schien sich momentan nicht lösen zu lassen.

Manchmal kommt dem Forscher der Zufall zu Hilfe. Im Rahmen der in Planung befindlichen Restaurierung des östlichen Arenenberger Parkteils soll der dort befindliche „Arenenberger-Bach“ renaturiert werden. Bei den entsprechenden Voruntersuchungen stellte sich heraus, dass der Bach ursprünglich „Dürrmühlenbach“ hiess. Der Name hat aber nicht - wie man vermuten würde - etwas mit dem Adjektiv „dürr“, also „trocken“, zu tun, sondern leitet sich von „Durn“ (Turm) ab. Dadurch war klar, dass es sich um einen „Turmmühlenbach“ handelt. Die Arenenberg-Forscher horchten auf: ein Turm (mit einer Mühle) an einem Wasserlauf? Das deutet auf einen Wehrturm hin, wie er im 15. Jahrhundert bei Landsitzen üblich war. Als sich bei intensivem Studium alter Karten auch noch herausstellte, dass sich der Gewannname „Narrenberg“. in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Dürrmühlenbach“ nachweisen lässt, wurde es immer spannender. Wo aber lagen Turm und Mühle?

Eine bislang unbeachtete Signatur auf einem Liegenschaftsplan liess sich als eine verschwundene Mühle identifizieren. Etwas oberhalb davon steht noch heute ein Gebäudekomplex, der einen nahezu quadratischen Ursprungsbau aufweist. Der gesuchte Turm?

Den endgültigen Beweis können zwar nur boden- und monumentarchäologische Untersuchungen liefern, es spricht aber viel dafür, dass hier der erste „Narrenberg“ zu suchen ist.

Bei den Forschungen trat aber noch etwas anderes zu Tage: Auf der Arenenberger Liegenschaft waren ursprünglich zwei „Roos“ vorhanden. Zumindest eine davon hielt man für die Quellfassung des erwähnten Baches. Aber auch hier ging man bisher von falschen Voraussetzungen aus. Bei einer „Roos“ handelte es sich nämlich um einen meist künstlich angelegten Tümpel, der dazu diente, Flachs oder Hanf aufzuweichen, zu „rösten“. Somit ist klar, dass auch auf dem Arenenberg Flachs angebaut und wahrscheinlich auch Leinen produziert wurde. Eigentlich nichts Erstaunliches, gehörte doch die Produktion und der Handel mit Leinen zu den Haupterwerbszweigen am Bodensee. Die frühen Besitzer des Narrenbergs gehörten alle zu den führenden Familien dieses Gewerbes. Kein Wunder also, dass sich auch in der Nachbarschaft weitere Hinweise in Gewannnamen finden. Wie z.B. das „Russenmoos“. Was natürlich nichts mit „Russen“ oder „Rosen“ zu tun hat, sondern mit der Herstellung von Leinen.

Ausschnitt einer alten Karte
Liegenschaftsplan mit „Unter Haus“, „Mühle“ und „Turmhaus.

 

 

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