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Das Eiserne Kreuz in der Schublade

• Blog Forschungspreis

Seit Mai 2018 zeigt das Napoleonmuseum eine Sonderausstellung der besonderen Art. Sie widmet sich dem Ersten Weltkrieg. Genauer gesagt, den aus der Schweiz stammenden Soldaten im Deutschen Heer. Ein im In- und Ausland unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte.

Das Interesse seitens der Bevölkerung war von Anfang an sehr gross. Kaum eine Ausstellung in den vergangenen 20 Jahren zog so mannigfache Reaktionen nach sich wie diese. Die meisten Anfragen drehen sich um die Biografien von Vorfahren heutiger Schweizer Familien. Denn viele Angehörige verwahren noch das Eiserne Kreuz (oder andere Erinnerungsstücke) ihres (Ur-)Grossvaters.

Ältere Generationen kennen die Zusammenhänge oft. Allerdings gaben sie ihr Wissen meist nicht an ihre Kinder und Enkel weiter. So können betroffene Schweizerinnen und Schweizer von heute kaum mehr einen Zusammenhang zwischen ihrem Erbe und dem Schulwissen herstellen.

Kein Wunder also, dass im Umfeld der Ausstellung immer wieder eine zentrale Frage auftaucht: wie kann ich mich auf die Spurensuche nach meinem Vorfahren machen? Besonders Lehrer und Lehrerinnen zeigen sich irritiert. Oft stehen im Rahmen des Unterrichts über den Ersten Weltkrieg Schüler mit familiären Erinnerungsstücken vor ihnen und fragen, wie diese in ihre Familie gekommen sein könnten. Bis zur Arenenberger Ausstellung auch für sie ein grosses Rätsel.

Wie aber lassen sich tatsächlich erste Spuren seiner Vorfahren finden? Relativ einfach! Man sucht im Internet nach den „Verlustelisten Erster Weltkrieg“. Auf einer genealogischen Seite geht es weiter. Dort sind alle Personen verzeichnet, die zwischen 1914 und 1919 verwundet wurden, gestorben oder vermisst sind bzw. in Kriegsgefangenschaft gerieten. War letzteres der Fall, kommt man auf einer entsprechenden Seite des Internationalen Roten Kreuzes weiter und findet dort viele Angaben.

Wenn der Vorfahr in den Verlustelisten erscheint, weiss man, zu welchem Verband er gehört hat. Handelte es sich um ein süddeutsches Regiment sind die Chancen sehr gross, dass man in den jeweiligen Landesarchiven die Personallisten mit weiteren Angaben findet.

Welche überregionale Relevanz die Arenenberger Forschung hat, zeigt sich am Interesse des renommierten Historial de la Grande Guerre (Péronne / Frankreich) mit seinem angeschlossenen internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrum. Als Schnittstelle zwischen Geschichtswissenschaft und musealer Vermittlung leistet es einen zentralen Beitrag bei der Präsentation der neuesten Forschungsergebnisse zum Ersten Weltkrieg.

Péronne möchte die Arenenberger Ausstellung übernehmen. Die Kolleginnen und Kollegen sind sich einig, dass das Thema Männer aus der Schweiz im Ersten Weltkrieg der Forschung und Öffentlichkeit unbekannt war.

Auf dem Arenenberg wird die Ausstellung verlängert und voraussichtlich bis zum 23. Dezember 2018 zu sehen sein.

Plakat der Ausstellung

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